Die Bellevue Healthcare-Experten geben einen Ausblick zu den Bereichen Medtech & Services, Biotechnologie und Digital Health.

Bellevue Healthcare-Outlook: Innovative Therapieansätze im Biotech- und Medtechsektor

Die Bellevue Healthcare-Experten geben einen Ausblick zu den Bereichen Medtech & Services, Biotechnologie und Digital Health.
12.10.2021 - Christian Lach, Stefan Blum

Stefan Blum, Lead Portfolio Manager Bellevue Medtech & Services:

«Zu den Produktneuheiten, bei denen wir noch dieses Jahr eine Zulassungsentscheidung erwarten, zählt der von Dexcom entwickelte Sensor G7, der den Blutzucker von Diabetespatienten in Echtzeit misst. Ebenfalls noch 2021 könnte die von Insulet entwickelte schlauchlose Insulinpumpe Omnipod 5 die US-Zulassung erhalten.

Der bereits zugelassene MitraClip G4 von Abbott ist die erste minimalinvasive Transkatheter-Mitralklappenreparatur, mit der sich Mitralklappeninsuffizienz, aber auch undichte Herzklappen behandeln lassen. Ein weiterer Bereich mit technologischen Fortschritten ist die Neurostimulation, bei der neurologische Krankheitssymptome durch auf Nervenbahnen geleitete Stromimpulse gelindert werden. Eingesetzt wird dieses Verfahren bislang vor allem bei der Behandlung von Schmerzen, Migräne und Epilepsie.

 Wir erwarten, dass sich bis zum Jahresende der Investitionsstau, der durch die verschobenen medizinischen Eingriffe während der Coronapandemie entstand, dank steigender Durchimpfungsraten weiter auflöst. Dementsprechend sollte sich die nichtzyklische Nachfrage für Medizintechnikprodukte weiter beschleunigen. Damit finden Medizintechnik wie auch Klinikdienstleister sehr gute Rahmenbedingungen vor, um in den nächsten Jahren beim Umsatz weiter im mittleren einstelligen Bereich und damit doppelt so stark wie der Gesamtmarkt zu wachsen. Weil die meisten Unternehmen im historischen Vergleich günstig bewertet sind, werden auch die Übernahmeaktivitäten wieder an Fahrt gewinnen.»

 Christian Lach, Lead Portfolio Manager Bellevue Biotech:

 «Bei der mRNA-Technologie sind wir davon überzeugt, dass die Zulassung als COVID-19-Impfstoff erst der Anfang einer Reihe von bahnbrechenden Erfolgen ist. Der Vorteil der mRNA-Botenmoleküle ist, dass sie wie eine Spezialsoftware immer denselben körpereigenen Produktionsprozess in Gang setzen, egal wie komplex der Bauplan für Antigene und Proteine ist. Ausgehend von Impfstoffen gegen andere Infektionskrankheiten könnte die mRNA-Technologie die Behandlung von Krebs und Autoimmunerkrankungen revolutionieren. In der Onkologie erwarten wir, dass etliche zellbasierte Therapien und bispezifische Antikörper die Zulassung für die Behandlung von Blutkrebsarten und soliden Tumoren erhalten werden. Sehr spannend wird auch, wie schnell neue Ansätze in der Gentherapie den Sprung zur Marktreife schaffen. Das gilt vor allem für die Genom-Editierung, welche eine völlige Heilung bei Erbkrankheiten ermöglichen soll. Hier geht es darum, einen Gendefekt dauerhaft zu beseitigen, indem fehlerhafte Sequenzen aus dem DNA-Strang herausgeschnitten und durch neue Fragmente mit dem korrekten genetischen Bauplan ersetzt werden. CRISPR Therapeutics ist mit seinen klinischen Studien bei genetischen Bluterkrankungen am weitesten fortgeschritten.»

 Stefan Blum, Lead Portfolio Manager Bellevue Digital Health:

 «Zu den grössten Wachstumsmärkten zählen wir die Telemedizin, die Fernüberwachung für die medizinische Behandlung und die digitalen Behandlungsgeräte für Patienten mit chronischen Leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Ein weiterer Wachstumsmarkt sind alle digitalen Lösungen, die eine effizientere und kostensparende Gesundheitsversorgung ermöglichen. Neue Produktzulassungen oder wichtige klinische Daten, wie sie beim robotergestützten Biopsiesystem ‹Ion› von Intuitive Surgical erwartet werden, werden die Kursentwicklung einzelner Portfoliofirmen beflügeln.

Mittel- bis langfristig wird die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung dieselben Dimensionen erreichen, wie sie bereits Alltag und Arbeitswelt umgestaltet. Im Vergleich zur klassischen Medizintechnik ist der Markt für digitale Gesundheit stärker reguliert. Dementsprechend hoch sind die Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber, was dem Fonds bei der Titelauswahl eine klare Charakteristik gibt.»

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