
KI entwickelt sich im Gesundheitssektor vom Narrativ zu messbarer Produktivität
Die 46. TD Cowen Healthcare Conference in Boston unterstrich erneut ihre Bedeutung als eines der wichtigsten globalen Foren für Healthcare-Investoren. Mit Hunderten präsentierender Unternehmen und einem dichten Programm aus KOL-Panels, Managementpräsentationen und Investorengesprächen bot die Konferenz einen umfassenden Stimmungs- und Lagebericht für den Sektor. Bellevue Asset Management war während der gesamten Woche stark vertreten. Portfoliomanager Dr. Terence McManus sowie die Biopharma-Analysten Guy Bettschart und Dr. Markus Schweiger führten zahlreiche Gespräche mit Managementteams, um zu beurteilen, wie sich zentrale strukturelle Themen in operativer Dynamik niederschlagen.
Insgesamt vermittelte die Konferenz das Bild einer Branche, die sich von einer Phase der Unsicherheit hin zu beschleunigtem Wachstum bewegt. KI liefert zunehmend greifbare Produktivitätsgewinne und steigert strukturelle Effizienz. Der Bereich der Nierenerkrankungen etabliert sich als strategisch bedeutendes Therapiegebiet mit wachsender Dynamik innerhalb der Wirkstoffklasse. Zudem demonstrierten mehrere unserer Kernbeteiligungen operative Stärke und langfristige Wachstumstransparenz.
Während makroökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen sich weiterhin im Wandel befinden, erscheint der Innovationszyklus in diesen Themen intakt – und beschleunigt sich mithilfe von KI deutlich.
KI: Biopharmaunternehmen als potenzielle Profiteure
Wir waren überrascht, wie proaktiv Biopharma-Managementteams das Thema KI adressierten. KI wird nicht mehr als zukünftige Vision diskutiert – sie verändert bereits heute Arbeitsabläufe. Die von uns geführten Gespräche zeigten Einigkeit darüber, dass der aktuell grösste Nutzen in der Beschleunigung klinischer Studien und der Effizienzsteigerung entlang der Wertschöpfungskette liegt. Langfristig wird jedoch vor allem das Potenzial zur Verbesserung des Wirkstoffdesigns und zur Reduktion von Ausfallraten in klinischen Studien hervorgehoben.
Ein F&E-Verantwortlicher eines grossen europäischen Pharmaunternehmens bezifferte den Effekt konkret und sprach von einer Produktivitätssteigerung von 30% vom Programmstart bis zur Auswahl des Wirkstoffkandidaten. KI ist in chemische und translationale Prozesse integriert, verkürzt Optimierungszyklen und erhöht die Qualität der Wirkstoffkandidaten.
Produktivitätsgewinne durch KI und Automatisierung spiegeln sich zunehmend in den Kostenstrukturen wider. Der CEO eines grossen US-Pharmaunternehmens beschrieb den Wandel als strukturell und erwartet in den kommenden Jahren eine Reduktion des Personalbestands um 20%–25%.
Der Tenor der Gespräche deutete darauf hin, dass KI inzwischen als Margentreiber und Wettbewerbsfaktor wahrgenommen wird. Sie beschleunigt Entscheidungsprozesse, verkürzt Entwicklungszyklen und erhöht die Anforderungen an operative Exzellenz im Large-Pharma-Bereich.
Aktuelle Entwicklungen bei Kernbeteiligungen unserer globalen Healthcare-Strategien
Mehrere unserer Kernbeteiligungen lieferten konstruktive Updates und bestätigten unsere Investmentthese.
Vertex betonte die zunehmende Breite der Pipeline über die zystische Fibrose hinaus, wobei Nierenerkrankungen als zentrales Thema auf der Konferenz deutlich an Bedeutung gewannen. Das Management zeigte sich weiterhin zuversichtlich für povetacicept (Pove) in IgAN und hob hervor, dass eine UPCR-Reduktion von rund 47% ein sehr starkes Ergebnis wäre. Gleichzeitig wurde unterstrichen, dass in der Nephrologie die langfristige Stabilisierung der eGFR entscheidend ist. Vertex positioniert sich zunehmend als breit aufgestellter Anbieter im Bereich Nierenerkrankungen und weniger als klassische Ein-Produkt-Story. Lange Patentlaufzeiten und eine diversifizierte Spätphasen-Pipeline stützen dieses Profil zusätzlich.
Madrigal lieferte eines der überzeugendsten Updates der Woche. Das Unternehmen betonte den Patentschutz für Rezdiffra bis 2045. Derzeit werden erst etwa 12 % der anfänglich adressierbaren Patienten behandelt. Bei einem erwarteten kontinuierlichen Patientenzuwachs bis 2026 geht das Management davon aus, dass mit zunehmender Grösse des Geschäfts auch die Profitabilität erreicht wird.
Amgen unterstrich die Stärke seiner Franchise in den Bereichen Kardiometabolik und seltene Erkrankungen. Repatha ist in einer grossen LDL-C-Patientengruppe, die ihre Zielwerte weiterhin nicht erreicht, bislang erst begrenzt eingesetzt. Biosimilars sowie wieder aufgenommene Aktienrückkäufe stärken nach dem Schuldenabbau zusätzlich das defensive Profil des Unternehmens.
UCB zeigte sich trotz Preisdruck bis 2026 zuversichtlich hinsichtlich des Wachstums von Bimzelx und erwartet, dass Volumensteigerungen Preisanpassungen kompensieren werden. Die bevorstehende BE BOLD-Studie gilt als kurzfristiger Katalysator. Das Management signalisiert anhaltende Marktanteilsgewinne in einem wettbewerbsintensiven Immunologiemarkt.