TCT 2026: Kardiovaskuläre Innovationen fördern frühere Eingriffe und effizientere Behandlungen
Frühere Eingriffe, deutliche Verbesserungen der Lebensqualität und effizientere Behandlungsabläufe standen im Mittelpunkt des TCT 2026. Marcel Fritsch und Lorenzo Zignani von Bellevue Asset Management nahmen an der Konferenz in San Diego teil, um die neuesten klinischen Entwicklungen und Innovationen in der kardiovaskulären Medizintechnik zu beurteilen. Die Konferenz bestärkte uns in unserer Zuversicht hinsichtlich der Vielfalt kardiovaskulärer Innovationen und ihres Potenzials, langfristig Mehrwert für Patienten, Gesundheitssysteme und Investoren zu schaffen.
Die TCT-Konferenz brachte erneut klinische Forschung, Expertise bei medizinischen Eingriffen und neue Technologien zusammen. Die Kombination aus wichtigen klinischen Studiendaten, Live-Eingriffen und dem MedTech Innovation Forum macht die Konferenz zu einer besonders wertvollen Plattform, um zu beurteilen, wie neue Erkenntnisse in die klinische Praxis einfliessen können. Wir ziehen eine positive Bilanz der diesjährigen Veranstaltung: Mehrere wichtige Studien stärkten die Evidenz für etablierte Technologien, während laufende klinische Programme auf weitere Wachstumschancen hindeuten.
Ein besonderer Höhepunkt war die PROGRESS-Studie von Edwards Lifesciences. Bei 744 Patienten mit mittelschwerer Aortenklappenstenose und zusätzlichen Risikofaktoren senkte ein frühzeitiger kathetergestützt-Aortenklappenersatz (TAVR) die Zweijahresinzidenz von Todesfällen oder Herzinsuffizienzereignissen von 23.9% auf 16.7%. Der Behandlungsvorteil war auf weniger Herzinsuffizienzereignisse zurückzuführen; die Sterblichkeit wurde nicht signifikant reduziert. Diese Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage, um bei ausgewählten Patienten einen früheren Eingriff in Betracht zu ziehen. Aus Anlegersicht unterstreichen sie das Potenzial, TAVR bei einer breiteren Patientengruppe einzusetzen. Wie schnell sich die Behandlung durchsetzen wird, hängt von regulatorischen Entscheidungen, der Kostenerstattung und der Integration in die klinische Praxis ab.
Die gesundheitsökonomische Analyse der EARLY-TAVR-Studie lieferte weitere Erkenntnisse zu diesem Thema. Bei Patienten mit asymptomatischer schwerer Aortenklappenstenose dürfte eine frühzeitige Behandlung aus Sicht des US-Gesundheitssystems kosteneffektiv sein. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund USD 14 700 pro gewonnenes qualitätsadjustiertes Lebensjahr. Die prognostizierten Gesamtkosten über die Lebenszeit lagen geringfügig höher, die erwarteten Behandlungsergebnisse verbesserten sich jedoch. Diese Erkenntnisse sind auch aus Anlegersicht relevant: Der Nachweis eines wirtschaftlichen Nutzens für Gesundheitssysteme kann die breitere Anwendung klinisch wirksamer Technologien unterstützen.
Auch bei Erkrankungen der Trikuspidalklappe wurden Fortschritte erzielt. In der CLASP-II-TR-Studie erreichte das PASCAL-Reparatursystem von Edwards den primären Endpunkt nach sechs Monaten. Der Behandlungsvorteil war hauptsächlich auf Verbesserungen der Lebensqualität zurückzuführen. Bei den Patienten wurde eine deutliche Verringerung der Trikuspidalklappen Insuffizienz festgestellt. Hinsichtlich der Sterblichkeit und der Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz zeigten sich nach einem Jahr jedoch keine signifikanten Unterschiede. Für symptomatische Patienten mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten sind Verbesserungen der Alltagsfunktion von grosser Bedeutung. Die Ergebnisse stärken die klinische Evidenz für kathetergestützte Reparaturverfahren und verdeutlichen das wachsende Behandlungsspektrum bei strukturellen Herzerkrankungen.
Die P4-Studie unterstrich die Bedeutung der Bildgebung und der Eingriffsplanung. CT-gestützte Koronarinterventionen erfüllten das Nichtunterlegenheitskriterium der Studie gegenüber Eingriffen unter intravaskulärer Ultraschallführung. Die Rate an Zielgefässversagen nach einem Jahr betrug 4.1% gegenüber 4.6%. Die mediane Eingriffsdauer lag bei 46 Minuten gegenüber 63 Minuten. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial einer verbesserten Planung, die Effizienz von Eingriffen zu steigern und gleichzeitig klinische Ergebnisse innerhalb der vordefinierten Nichtunterlegenheitsgrenze zu gewährleisten. Die angegebenen Eingriffszeiten berücksichtigen weder die vorgängige CT-Untersuchung noch die Planung. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den gesamten Behandlungsablauf müssen daher noch untersucht werden. Aus Anlegersicht liefert die Studie weitere Hinweise auf das Potenzial der kardiovaskulären Bildgebung und entsprechender Softwarelösungen.
Auch beim Verschluss des linken Vorhofohrs wurden weitere Fortschritte erzielt. Die VERITAS-Studie von Abbott lieferte unterstützende Einjahresdaten zu Amulet 360 und damit zusätzliche Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit des Medizinprodukts der nächsten Generation. Die SIMPLAAFY-Studie untersuchte eine ergänzende Fragestellung: die optimale antithrombotische Behandlung nach der Implantation. Nach erfolgreichen, komplikationslosen Eingriffen mit Watchman FLX Pro erfüllten sowohl eine alleinige Behandlung mit Aspirin als auch eine niedrig dosierte Antikoagulation die Nichtunterlegenheitskriterien gegenüber einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung hinsichtlich des kombinierten Endpunkts nach sechs Monaten. Zusammen verdeutlichen diese Studien die Fortschritte sowohl bei der Medizintechnik als auch bei den damit verbundenen Behandlungsabläufen. Die PARADIGM-Studie von Abbott zeigte zudem die Innovationsvielfalt bei strukturellen Herzerkrankungen anhand eines speziell entwickelten Ansatzes zur Behandlung paravalvulärer Leckagen nach einem chirurgischen Herzklappenersatz.
Die klinische Entwicklungspipeline bleibt aktiv. Medtronic präsentierte das Studiendesign und die Ausgangsmerkmale der Patientenpopulation von EXPAND TAVR II. Die Studie untersucht den früheren Einsatz der Evolut-Plattform bei mittelschwerer Aortenklappenstenose. Klinische Ergebnisse stehen noch aus, weshalb die Studie künftig eine wichtige Quelle zusätzlicher klinischer Evidenz sein wird. Zusammen mit den neuen Technologien, die im Rahmen der Innovationsveranstaltungen des TCT vorgestellt wurden, bieten solche Programme weitere potenzielle klinische und kommerzielle Meilensteine.
Die TCT-Konferenz bestätigte unsere Einschätzung, dass die kardiovaskuläre Medizintechnik eine Kombination aus etablierten Marktführern und neuen Wachstumschancen bietet. Um dieses Potenzial zu erschliessen, bedarf es einer sorgfältigen Beurteilung des klinischen Nutzens, der Marktakzeptanz, der Kostenerstattung und der Bewertungen. Besonders grosses Potenzial sehen wir bei Unternehmen, denen es gelingt, überzeugende klinische Evidenz in Behandlungsverfahren umzusetzen, die von Ärzten angewendet und von Gesundheitssystemen unterstützt werden. Auch lieferte die Konferenz weitere Belege für die Stärke der Innovationspipeline in der kardiovaskulären Medizintechnik sowie wichtige Erkenntnisse für unseren selektiven, langfristig ausgerichteten Investmentansatz.