
Medtech: Operativ stark, an der Börse unterschätzt
- Bewertung spricht für Medtech: Der Sektor ist im Vergleich zum breiten US-Aktienmarkt ungewöhnlich günstig bewertet. Aktuell liegt Medtech rund 5% unter der Bewertung des S&P 500, obwohl der Sektor langfristig von strukturellem Wachstum und hoher Innovationskraft profitiert.
- Das Anlegerinteresse kehrt zurück: Im 3. Quartal 2026 hat sich Medtech mit +2.3% besser entwickelt als der Nasdaq 100 mit +0.6%. Erste Anzeichen einer Rotation sind sichtbar.
- Neue Anwendungen treiben das Wachstum: Robotik, intelligente Diabetes-Systeme und KI-gestützte Diagnostik schaffen neue Behandlungsmöglichkeiten.
- Qualität steht im Fokus: Bellevue Medtech & Services setzt zu mehr als 97% auf Grossunternehmen. Für unsere Portfoliounternehmen erwarten wir bis 2030 jährlich rund 8% Umsatzwachstum und 13% Wachstum beim Gewinn je Aktie.
- Übernahmen geben zusätzliche Impulse: Strategische Käufer nutzen die gesunkenen Bewertungen.
Medtech an der Börse abgestraft, operativ weiterhin stark
Medtech gehörte im ersten Halbjahr 2026 zu den schwächeren Segmenten an den Aktienmärkten. Aus unserer Sicht spiegelt die Kursschwäche vor allem veränderte Anlegerpräferenzen wider. Die KI-Euphorie zog viel Kapital an, auch auf Kosten defensiverer Wachstumssegmente wie der Medizintechnik.
Die Bewertungen sind entsprechend gesunken. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt bei rund 18x. Besonders auffällig ist der Vergleich mit dem Gesamtmarkt: Medtech wird inzwischen mit einem Abschlag von rund 5% gegenüber dem S&P 500 gehandelt. Historisch wurde der Sektor dagegen mit einem Aufschlag von rund 15-20% bewertet.
Seit Anfang Juli zeigen sich erste Anzeichen einer Erholung. Investoren realisieren Gewinne bei Technologiewerten und entdecken andere Segmente wie Medtech wieder. Für eine nachhaltige Trendwende müssen die Unternehmen ihre Wachstumsperspektiven weiter mit Ergebnissen bestätigen. Hier bleiben die Aussichten positiv.
Umsatz wächst. Gewinne wachsen schneller
Medtech verbindet robuste Nachfrage mit attraktivem Umsatz- und Gewinnwachstum. Für die Unternehmen im Bellevue Medtech & Services erwarten wir bis 2030 durchschnittlich rund 8% jährliches Umsatzwachstum. Der Gewinn je Aktie dürfte jährlich um rund 13% zulegen. Dies zeigt das operative Potenzial hinter den derzeit tiefen Bewertungen.
Unser Portfolio bleibt klar auf etablierte Unternehmen ausgerichtet: Mehr als 97% entfallen auf Large Caps. Entscheidend bleiben Innovationskraft, eine starke Marktposition und die Fähigkeit des Managements, angekündigte Ziele umzusetzen.
KI erweitert Möglichkeiten in der Medizintechnik
Neben etablierten Wachstumsmärkten entstehen in der Medizintechnik neue Anwendungsfelder. Besonders relevant sind derzeit unter anderem:
- Bluthochdruck: Die renale Denervation zielt darauf, überaktive Nervenfasern an den Nierenarterien zu unterbrechen und so den Blutdruck zu senken. Entscheidend für die Marktentwicklung ist eine breitere Kostenerstattung.
- Sensorik: Kontinuierliche Sensoren könnten künftig neben Glukose auch Kalium messen und damit die Behandlung von Patienten mit Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützen.
- Bildgebung und Robotik: Neue Tracer und verbesserte Bildgebung können Diagnostik und Arbeitsabläufe vereinfachen. Zugleich sorgt zusätzlicher Wettbewerb bei Operationsrobotern und anderen etablierten Produktkategorien für neue Wachstumsimpulse.
Kostenerstattung und Demografie sind wichtig für die Nachfrage
Neben Innovation ist die Kostenerstattung ein zentraler Wachstumstreiber. Veränderungen im US-Versicherungssystem und die Angst der Investoren vor zunehmendem Wettbewerb aus China haben den Medtech-Sektor zuletzt belastet. Die jüngsten Quartalszahlen von Medtech-Unternehmen, Spitalgruppen und US-Krankenversicherern haben insbesondere die Befürchtungen rund um die US-Versorgungslandschaft relativiert. Die Finanzierung medizinischer Leistungen und die Investitionsbudgets der Spitäler bleiben dennoch wichtige Einflussfaktoren.
Hinzu kommt die Demografie. 2026 erreichen die ersten Babyboomer das Alter von 80 Jahren, eine Lebensphase, in der die Ausgaben für medizinische Versorgung deutlich steigen. In den kommenden Jahren dürfte dies die Fallzahlen zusätzlich erhöhen.
Auch der Wettbewerb aus China ist differenziert zu betrachten. Der Erfolg chinesischer Anbieter etwa in der Automobilindustrie lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Medizintechnik übertragen. Hohe regulatorische Anforderungen erschweren den Zugang zu wichtigen internationalen Absatzmärkten. Gleichzeitig setzt staatlicher Preisdruck die Anbieter im chinesischen Heimatmarkt unter Druck.
Übernahmen unterstreichen die Attraktivität
Die Konsolidierung im Sektor schreitet voran. Grössere Unternehmen kaufen gezielt Technologien und ergänzen ihr Produktangebot, etwa Boston Scientific mit Penumbra, Abbott mit Exact Sciences und Danaher mit Masimo. Übernahmefantasie allein ist für uns jedoch keine ausreichende Investmentthese. Die Qualität des Geschäfts bleibt ausschlaggebend.
Die USA sind unser wichtigster Anlagemarkt. Attraktive Chancen sehen wir sowohl bei Grossunternehmen als auch selektiv bei kleineren Spezialisten.