
Medtech & Services 2026: Fundamentale Stärke bei attraktiver Bewertung
Bewertung: Multiple Compression ohne fundamentale Schwäche
Im vergangenen Jahr war die Performance des Sektors weniger von operativen Rückschlägen als vielmehr von einer Bewertungsanpassung geprägt. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei 22.5x und damit klar unter dem historischen Durchschnitt von 24.5x; vor und nach der Pandemie notierte der Sektor bei rund 27x, dies entspricht einem Abschlag von 9 resp. 20%.
Gleichzeitig veränderten sich die Gewinnschätzungen der Analysten für 2026 und 2027 leicht positiv. Viele Unternehmen berichten über solide Margen, stabile Auftragseingänge und gut gefüllte Produktpipelines. Die jüngste Underperformance reflektiert somit primär eine vorsichtigere Marktbewertung, nicht jedoch eine strukturelle Verschlechterung der Fundamentaldaten.
Historisch tendierten solche Phasen zu einer Normalisierung der Bewertungsmultiples, sobald neue Wachstumstreiber sichtbar wurden oder die Marktunsicherheit nachliess.
Strukturelles Wachstum mit hoher Visibilität
Die Investmentthese im Medtech-Segment bleibt unverändert intakt. Für qualitativ hochwertige Unternehmen im Sektor werden mittelfristig organische Umsatzwachstumsraten im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich sowie Gewinnwachstumsraten pro Aktie im niedrigen zweistelligen Bereich erwartet.
Konkret schätzen wir das durchschnittliche gewichtete organische Umsatzwachstum unseres Medtech-&-Services-Portfolios in den nächsten fünf Jahren auf +9.1% und das Gewinnwachstum je Aktie auf +12.1%.
Getragen wird diese Entwicklung von mehreren langfristigen Faktoren:
- Überalterung der Gesellschaft, was zu höheren Behandlungsvolumen führt
- Wohlstandszunahme und Krankenversicherungen für die breite Bevölkerung in aufstrebenden Märkten
- Innovation in den Bereichen Diabetes, robotergestützte Chirurgie und strukturellen Herzerkrankungen. Die KI ist ein Treiber der Innovation und sorgt für Produktdifferenzierung
Im Gegensatz zur klassischen Pharmaindustrie erfolgen Innovationszyklen im Medtech-Bereich häufig inkrementell. Produkte werden kontinuierlich weiterentwickelt, Zulassungsrisiken sind vergleichsweise tief (80-90% Zulassungsrate für FDA PMA-Zulassungen für komplexe Produkte wie z.B. Implantate) und abrupte Umsatzverluste infolge von Patentabläufen sind selten. Diese Struktur sorgt für hohe Ertragsvisibilität und nachhaltige Cashflows.
Katalysatoren für 2026
Für das laufende Jahr zeichnen sich mehrere potenzielle Impulse ab. Auf Unternehmensebene stehen bedeutende Produkteinführungen in Bereichen wie robotergestützter Chirurgie, strukturelle Herztherapien und Elektrophysiologie bevor. Zahlreiche klinische Datenpublikationen und neue Erstattungsregelungen sollten nicht nur die Umsätze erhöhen, sondern auch das Anlegervertrauen stärken. Gleichzeitig bleibt die M&A-Aktivität hoch: In 2026 beläuft sich das Transaktionsvolumen per dato bereits auf USD 25 Mrd., nachdem im Gesamtjahr 2025 USD 46 Mrd. erzielt wurden.
Auf der Makroebene profitieren Medtech-Unternehmen nach dem Zollentscheid des Obersten Gerichts in den USA von leicht tieferen und homogenen Zöllen. Wir erwarten lediglich einen marginalen Effekt durch das Auslaufen der Subventionen im Rahmen von Obamacare. Wir rechnen damit, dass der neue Notenbankchef Kevin Warsh ab Mai 2026 eine für wachstumsorientiertere Medtech-Unternehmen günstigere Zinspolitik verfolgen wird.
Hinzu kommt eine sektorale Kapitalrotation: Nachdem BioPharma seit Ende 2025 wieder verstärkt Kapitalzuflüsse verzeichnet, profitierten in der Vergangenheit immer auch angrenzende Healthcare-Segmente wie Medtech von dieser Dynamik.
Positionierung: Qualität vor Zyklik
In diesem Umfeld ist eine Fokussierung auf Unternehmen mit klarer Innovationspipeline, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und solider Bilanzstruktur besonders vielversprechend. Marktführer mit Preissetzungsmacht und wiederkehrenden Umsätzen sind besser positioniert, um kurzfristige Marktschwankungen zu absorbieren.
Die Volatilität der vergangenen Monate war primär bewertungsgetrieben. Fundamental zeigen sich viele Unternehmen heute stärker kapitalisiert und effizienter strukturiert als vor der Pandemie – bei gleichzeitig moderateren Bewertungsniveaus.
Fazit
Der Medtech- & Services-Sektor kombiniert strukturelles Wachstum mit defensiver Nachfragecharakteristik. Die jüngste Bewertungsanpassung hat das relative Chance-Risiko-Profil aus unserer Sicht verbessert.
Für langfristig orientierte Investoren bietet sich damit ein qualitativ hochwertiges Exposure zu Innovation im Gesundheitswesen – mit klarer Visibilität, solider Cashflow-Generierung und mehreren identifizierbaren Katalysatoren für die kommenden Quartale.
